Haikus, Haigas und kurze Bildanalysen
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oder 'Das Abenteuer, unsere Welt mit anderen Augen zu sehen' Landschaft | Haiga | Bauernhof | junge Buche | Seite 2
 
 
Auf dieser Seite möchte ich Ihnen die japanische Versform Haiku etwas näherbringen, soweit dies für uns Abendländer möglich ist. Ein Haiku ist eine kurze Gedichtform in japanisch. Es besteht meist aus drei Zeilen mit je 5,7,5 Silben. Oft bezieht es sich auf Vorgänge in der Natur und meist liegt ein tieferer Sinn hinter den vordergründigen Worten. Ein Haiku sollte aus einfachen Wörtern bestehen und Erfahrungen beinhalten, die den meisten Lesern vertraut sind. Die japanischen Haiku-Schulen haben ihre ganz strengen Regeln, die wir, schon aus sprachlichen Gründen nicht nachvollziehen können. So sind unsere westlichen Haiku meist weit entfernt vom ursprünglichen Wesen des Haiku, obwohl es auch bei uns talentierte Haiku-Poeten gibt.
Darf ich Ihnen anschaulich am Beispiel meines ersten und zweiten Jahresblattes - damals auf den Jahreswechsel 00/01 hin - zeigen, wie man aus der Sicht des Abendlandes die Aussage eines Haiku gegenüber unserer Sichtweise darstellen könnte, zugegebenermassen eine freie, grosszügige Auslegung, doch ich hoffe, dass damit anschaulich wird, was gemeint ist. Das Bild stammt aus meinem Wohnort in der Schweiz, ich habe es im Dezember 2000 aufgenommen.
 
 
Haiga
haiku nebel
Was die Zukunft uns bringen mag, ist unter Nebeln verborgen. Da meinen wir, in die Täler zu sehen und schon verdeckt wieder ein Schleier die Sicht. Lasst uns den Ueberblick bewahren auf's Ganze, voller Erwartung, aber ohne Lasten der Vergangenheit in die Zukunft gehen und mit Zuversicht die Schönheiten des Daseins entdecken und die schwierigen Zeiten mit Mut überwinden und daraus lernen. 31.12.2000 mb
2
 
Unter den Nebeln
verborgen uns Suchenden,
was morgen geschieht
mb

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Lassen Sie die Beispiele isoliert auf sich einwirken und versuchen Sie bei sich selbst die Empfindungen zu ergründen, wenn Sie sich die Bilder anschauen und die Texte lesen. Berührt Sie ein Bild mehr als das andere, welcher Text und welches Bild sagt mehr aus? Welches bleibt besser in Ihrer Erinnerung haften. Weshalb? Was löst der Text, was das Haiku, was lösen die Bilder an Gedanken bei Ihnen aus? Wer möchte, ist eingeladen, im Forum darüber zu schreiben.
bild, text und haiku copyright © mayberger
 Sie sehen oben das Landschaftsfoto 1. Im Vordergrund einige Bäume und den Wald, der sich im Nebel verliert. Der Nebel trennt den Vordergrund vom Hintergrund mit den Bergen und Hügelketten. Ich sehe es sinnbildlich so: Das Ziel wird ins Auge gefasst, der Weg dazu ist im Ungewissen. Dazu auch mein entsprechender Text.

Beim Haiku/Haiga Bild 2 ist die Aussage eindrücklicher, fokussiert aufgrund des "gekürzten" Bildes. Mit dem vertikalen Format wird das Transzendentale, das Aufstrebende betont. Man wird nicht abgelenkt, der vertikale Ausschnitt wirkt dynamischer. Ebenso wie das Haiku, das in seiner Kürze alles aussagt. Wobei jeder das versteht, was er aus seiner eigenen Geschichte und seinem Erleben kennt. So kann auch jeder seine ureigenen Symbole wiederfinden und einsetzen, gewissermassen das Haiku und Haiga kreativ weiter denken.

 
 
Bauernhof

Typisches Bauerngehöft im Winter in den Emmentalern Hügeln, aufgenommen am frühen Nachmittag des 30.12.2001 

Bauerngehöft 018 200
klar und rein die Luft
Frieden über der Landschaft 
im Kreis der Zeiten
 
haikus mb
 
pure and clean the air
peace above the countryside
in the run of time 
Emmentaler Bauernhof
 
Eines meiner Lieblingsbilder!
Weshalb ich es mag?
 
Erst der Weg, der in einer Kurve zwischen die Gebäude führt, dann die Dächer, die sich, klar gezeichnet im frischen Schnee, von unten links nach oben rechts als Trapeze, Dreiecke, Rauten in der Diagonale in der Landschaft fortsetzen (Schneehang und Waldstücke).
 
Was mir aber besonders gefällt, ist die harmonische Einheit des Gehöfts mit dem Gehölz und den zwei Linden, von Mensch und Tier, die unter demselben Dach Schutz finden.
 
Die sanfte Farbgebung gibt die Kälte der Jahreszeit wieder, Sonne und Schatten die meist nebelfreie Lage.
Typical farmhouse in the Emmental hills in Winter.  This is one of my recent favourites, Why I like it?

It's the way which leads in a bend to the main entrance between the buildings, then the roofs, which clearly drawn by the fresh snow, form triangulars, trapezoids and rhombs, which in the diagonale, from the left below to the right on top repeat themselves on the countryside.

I like the harmonic unity of the farmhouse and the huts with some wood below and the two big lime trees. Humans and animals, depending on each other, find protection under the same roof.

The soft colours tell us about the cold of the season, sun and shadow that the place is situated above the mist in the valleys.

 
 
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junge Buche

10.02.2002  7029  

junge Buche im Winterwald
 
 
Im dunklen Winterwald leuchten die junge Buche im Herbstkleid und das samtene Moos im Sonnenlicht.
 
 
Aufnahme vom 02.02.2002
the picture was taken on 02.02.2002
 
 
 
young beech tree in the winter-wood
 
 
the young beech tree in its autumn dress and the soft, velvety moss shine in the sunlight through the dark winter forest .
 
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